Wenn KI funktioniert, was verändert sich dann im Unternehmen?

Ein Nachmittag in Riehen über Organisation, Führung und die Frage, was zu gestalten bleibt, wenn KI zum selbstverständlichen Teil der Arbeit wird.

Der Nachmittag im Pavillon der Gedenkstätte Riehen, «Kaum zu fassen!?», 24. September 2026.

Noch vor kurzer Zeit drehte sich die Diskussion über Künstliche Intelligenz vor allem um Möglichkeiten. Was kann sie? Welche Aufgaben kann sie übernehmen? Welche Tools sollten Unternehmen einsetzen?

Inzwischen wird die Debatte konkreter. KI ist in Unternehmen angekommen. Erste Erfahrungen liegen vor, Governance-Strukturen entstehen, Prozesse werden automatisiert und KI-Systeme beginnen nicht nur zu analysieren, sondern auch zu empfehlen und zu handeln. Damit verändert sich auch die Frage für Führungskräfte.

Mit dieser Verschiebung haben wir uns am 24. September bei Czwalina Consulting in Riehen beschäftigt. Unter dem Titel «Kaum zu fassen!? Menschsein im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz» kamen Führungskräfte und Gäste aus unterschiedlichen Unternehmenswelten zusammen. Ausgangspunkt war eine bewusst offene Frage: Was darf KI übernehmen, und was muss beim Menschen bleiben?

Zwischen Möglichkeit und Praxis liegt viel Arbeit

Hans-Jürg Schürch, Group HR Leiter der fenaco-Gruppe, berichtete aus einer Organisation, in der die Digitalisierung des Personalwesens längst konkrete Gestalt angenommen hat. Wer KI in reale Unternehmensprozesse integriert, trifft schnell auf Fragen, die in der allgemeinen Technologiedebatte leicht untergehen: Welche Daten dürfen verwendet werden? Welche Systeme sind zugelassen? Wo braucht es menschliche Kontrolle? Wie werden Mitarbeitende befähigt, Ergebnisse zu prüfen?

Hans-Jürg Schürch, Group HR Leiter der fenaco-Gruppe, im Praxisreferat.
Hans-Jürg Schürch, Group HR Leiter der fenaco-Gruppe, im Praxisreferat.

Schürch verwendete dafür einen Begriff, Plausibilisierung. KI-Kompetenz bedeutet in diesem Verständnis nicht allein, ein System bedienen zu können. Sie bedeutet auch, dessen Ergebnis einordnen, hinterfragen und gegebenenfalls verwerfen zu können. Das klingt zunächst nach Governance. Was müssen Menschen können, wenn Maschinen immer mehr können?

Uwe Neumeier, Vorstand der Stiftung Kirchliches Rechenzentrum Südwestdeutschland, ging einen Schritt weiter: Was geschieht, wenn KI nicht mehr nur einzelne Prozesse unterstützt, sondern die Leistungsfähigkeit einer Organisation insgesamt verändert? Sein Vortrag trug den Titel «KI beschleunigt. Führung verändert sich. Verantwortung bleibt.» Seine zentrale Frage war, was mit Unternehmen geschieht, wenn Analyse, Intelligenz und Handlungskapazität plötzlich skalierbar werden. 

Der Nachmittag im Pavillon der Gedenkstätte Riehen — «Kaum zu fassen!?», 24. September 2026.
«Die eigentliche KI-Transformation beginnt erst jetzt», Executive Keynote von Uwe Neumeier, KRZ-SWD.

Angenommen, KI steigert die Produktivität von Wissensarbeit erheblich. Zunächst entsteht dadurch freie Kapazität. Unternehmenswert entsteht daraus noch nicht automatisch. Erst Managemententscheidungen bestimmen, ob diese Kapazität in niedrigere Kosten, mehr Output, höhere Geschwindigkeit, bessere Qualität oder neues Geschäft übersetzt wird.

Neumeier verdichtete diesen Gedanken in einem einfachen Gedankenexperiment: Wenn KI ganze Aufgaben und Prozessschritte übernimmt — sagen wir, 30 Prozent unserer heutigen Wissensarbeit —, würden wir dann einfach 30 Prozent effizienter arbeiten? Oder brauchen Unternehmen dann andere Strukturen als heute?

«Der entscheidende Übergang: vom KI-unterstützten Mitarbeiter zum KI-unterstützten Unternehmen.»
— Uwe Neumeier

Die Podiumsdiskussion öffnete eine weitere Dimension. Stefanie Kreusel beschrieb ihren Blick auf KI als grundsätzlich offen und positiv, zugleich aber kritisch und «in gewisser Weise auch ein bisschen unheimlich». Wo Technologie Menschen von gefährlicher oder körperlich belastender Arbeit entlastet, sah sie klare Vorteile. Anders dort, wo Technologie menschlichen Kontakt ersetzen würde – etwa in Betreuung und Pflege.

Podiumsgespräch mit Stefanie Kreusel, Hans-Jürg Schürch und Uwe Neumeier, moderiert von Markus Fischer

Auch Effizienz hat eine zweite Seite. Diese Frage nach den Folgen von KI betrifft nicht nur Tätigkeiten, sondern auch die Entwicklung von Erfahrung. Neumeier sprach in diesem Zusammenhang vom «Talent-Paradox»: Wenn KI Aufgaben übernimmt, an denen jüngere Mitarbeitende bislang Erfahrung sammeln, etwa Recherche, erste Analysen oder Dokumentation, wo entstehen dann die Experten von morgen?

Unternehmen können heute Produktivität gewinnen und zugleich Lernräume verkleinern, in denen Erfahrung und Urteilskraft entstehen.

Wenn Wissen schneller verfügbar und Standardanalysen automatisierbar werden, verschiebt sich auch der Wert menschlicher Arbeit. Neumeier stellte der automatisierbaren Produktion von Wissen andere Fähigkeiten gegenüber: Urteilskraft, Kontext, Priorisierung, Verhandlung, Entscheidung, Verantwortung und Vertrauen.

Konzentriertes Zuhören im Publikum

Johannes Czwalina nahm diesen Gedanken im Schlusswort auf. Je schneller sich Technologie entwickelt, desto drängender werde die Frage, woran wir Entscheidungen orientieren und was Bestand haben soll.

Damit wurde aus der Ausgangsfrage «Was darf KI übernehmen, und was muss beim Menschen bleiben?» eine Reihe konkreterer Fragen:

Was machen wir mit der Produktivität, die KI freisetzt?
Welche Strukturen würden wir heute anders bauen?
Wo lernen die Experten von morgen?
Und welche Entscheidungen wollen wir tatsächlich an Systeme abgeben?

Johannes Czwalina überreicht den Referenten persönliche Geschenke

Darauf wird jedes Unternehmen eigene Antworten finden müssen. Entscheidend ist, die Fragen nicht erst dann zu stellen, wenn die Technologie die Antwort bereits vorgegeben hat.

Wir wollen diesen Dialog fortsetzen mit Menschen, die den Wandel nicht nur beobachten, sondern in ihren Unternehmen konkret gestalten.

Impressionen des Anlasses
Fotos: Viswerk — 24. September 2026


Die CC Czwalina Consulting AG, gegründet 1993, begleitet Unternehmen und Führungskräfte in Fragen von Leadership, Transformation, Personalentwicklung, Talentgewinnung und organisatorischem Wandel. Unsere Vision ist es, die Arbeitswelt zu einem besseren Ort zu machen. Gemeinsam gestalten wir die Arbeit von morgen. CC Czwalina’s Grundfrage ist seit dem ersten Tag dieselbe: Was bewegt Menschen wirklich — und wie bauen wir Organisationen, die das ernst nehmen?

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