Führung im Zeitalter der KI: Was bleibt menschlich Und warum das die entscheidende Frage ist

50 Führungskräfte, drei Referate, eine zentrale Frage: Was bleibt menschlich, wenn KI Prozesse beschleunigt und Entscheidungen datengetriebener werden? 

Warum Wertearbeit im Zeitalter der KI nicht an Bedeutung verliert, sondern wichtiger wird – das ist, was wir mitgenommen haben. Für Führungskräfte und HR-Verantwortliche, die sich fragen, wie sie mit dem Tempo der Veränderung umgehen wollen.

Technologie schafft Kapazität. Werte geben Richtung

Dr. Ulrich Vogel, Gründer von profilingvalues,  eröffnete mit einer Beobachtung, die viele kennen: Es wird viel in Transformation, Tools und Methodik investiert, die Wirkung bleibt trotzdem hinter den Erwartungen zurück. Sein Punkt: Nicht Technologie fehlt, sondern Richtung. KI kann Prozesse beschleunigen und Muster erkennen. Welche Entscheidungen daraus folgen sollen, erfordert menschliches Urteil.

«Technologie schafft Kapazität. Werte geben Richtung.»
Dr. Ulrich Vogel

Dr. Ulrich Vogel bei seiner Keynote «Führung zwischen Kompass und KI».
Dr. Ulrich Vogel bei seiner Keynote «Führung zwischen Kompass und KI».

An konkreten diagnostischen Beispielen zeigte Vogel, wie viel in Organisationen unsichtbar bleibt, wenn nur Leistung sichtbar wird, nicht aber die Bewertungslogiken dahinter. Wertearbeit macht genau diesen blinden Fleck in Führung, Strategie und Kultur sichtbar. Was treibt jemanden wirklich an? Wie definiert eine Person Erfolg? Wo liegt der innere Anker? 

Hans-Jürg Schürch, Leiter Human Resources der fenaco Genossenschaft, brachte die Praxisperspektive: Wer KI einführt, ohne Prozesse, Verantwortlichkeiten und Regeln zu klären, wird nicht besser – sondern schneller in die falsche Richtung. 

«Das Tempo verändert sich. Die Verantwortung bleibt bei uns Menschen.»
— Hans-Jürg Schürch

Schürch machte deutlich, was das konkret heisst: Rechtssicherheit schaffen, Risiken einordnen, klare Leitplanken definieren – und am Ende sicherstellen, dass ein Mensch die Ergebnisse von KI prüft und verantwortet. Nicht blind übernimmt. Die entscheidende Frage lautet dabei nicht nur: Welche Tools setzen wir ein? Sondern: Welche Regeln und welche Haltung gelten, wenn Maschinen Vorschläge machen? 

Volle Aufmerksamkeit im Saal: Teilnehmende beim Praxisreferat von Hans-Jürg Schürch, fenaco.
Volle Aufmerksamkeit im Saal: Teilnehmende beim Praxisreferat von Hans-Jürg Schürch, fenaco.

Johannes Czwalina, Gründer von CC Czwalina Consulting AG, schloss den Nachmittag mit einer Frage, die bleibt. 

Er erinnerte an einen Zeitungsartikel, den er einst in Prag gefunden hatte – geschrieben kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert. Die Autoren blickten voller Zuversicht auf die neue Technik: Dampfmaschine, Glühbirne, Eisenbahn. Technisch lagen sie richtig. Was diese Transportmittel später beförderten, hing von den Menschen ab, die sie nutzten. Genau das hatten sie übersehen. 

Transportmittel werden schneller. KI ist das schnellste, das wir je hatten. Aber es bleibt ein Transportmittel – ein Werkzeug. Es befördert, was wir hineinlegen: unsere Überzeugungen, unsere Werte, unsere Haltung.

Johannes Czwalina beim Schlussreferat: «Der Markt hat keine Seele — aber Unternehmen brauchen eine.»
Johannes Czwalina beim Schlussreferat: «Der Markt hat keine Seele, aber Unternehmen brauchen eine.»

Die Organisationen, die in diesem Umfeld gut führen werden, sind nicht zwingend die mit den besten Algorithmen. Es sind die, die wissen, wofür sie stehen. Die ihre Werte in Entscheidungen übersetzen. Die KI als das behandeln, was sie ist: ein leistungsfähiges Werkzeug ohne eigenen Kompass. 

KI stellt eine Frage, die viele lieber vermeiden: Wie klar sind wir über das, was uns wirklich wichtig ist? Nach welchen Werten treffen wir Personalentscheidungen? Welche Kultur wollen wir stärken – und welche fördern wir tatsächlich? 

Bei höherer Geschwindigkeit werden Unklarheiten teurer. Wer keine klare Antwort hat, gewinnt durch KI keine Zeit zum Nachdenken – sondern verliert sie schneller. 

Austausch beim Apéro nach der Veranstaltung in der Gedenkstätte Riehen, März 2026.

Wenn KI in Ihrem Unternehmen morgen deutlich schneller und leistungsfähiger wäre: Was würde sie verstärken?

Ihre Klarheit oder Ihre Unklarheit?
Ihre Werte oder Ihre Widersprüche?
Ihre Führungskultur oder deren Lücken?

Das ist eine der praktischsten Führungsfragen unserer Zeit. Und die Antwort darauf ist keine technische.

Beschäftigt Sie diese Frage? Dann sprechen Sie mit uns. 

Impressionen des Anlasses


Die CC Czwalina Consulting AG, gegründet 1993, begleitet Unternehmen und Führungskräfte in Fragen von Leadership, Transformation, Personalentwicklung, Talentgewinnung und organisatorischem Wandel. Unsere Vision ist es, die Arbeitswelt zu einem besseren Ort zu machen. Gemeinsam gestalten wir die Arbeit von morgen. CC Czwalina’s Grundfrage ist seit dem ersten Tag dieselbe: Was bewegt Menschen wirklich — und wie bauen wir Organisationen, die das ernst nehmen?

Alle Nachrichten anzeigen
Teilen Sie diesen Artikel